Kirchgarten


Gestaltung des Kirchhofs nach ökologisch-symbolischen, dem überlieferten Gartendenkmal angemessenen Gesichtspunkten.

Alte, in Anlage und Bewuchs weitgehend unverändert gelassene Kirchhöfe bilden eine Einheit von Gebäuden, Kunstwerk und gestalteter Natur: Grabsteine, Mauereinfriedungen, Randgebäude, Kreuze und Bildstöcke, Hecken, Bäume und Sträucher sowie Kräuter stehen in engem symbolisch-gestalterischen Zusammenhang.
Aus diesem Zusammenhang ergibt sich eine schützenswerte, überlieferte Einheit von Gebäude, Kunstwerk und gestalteter Natur.
Viele alte Dorfkirchen wurden in den vergangenen Jahrzehnten abgerissen oder verlassen, nicht genutzt oder gar dem Verfall preisgegeben. Wertvolle ländliche Kulturdenkmäler verschwanden oder sind gefährdet.
Auch die Kirchhöfe verloren durch die Entwicklung in zunehmendem Maße ihre gestalterisch symbolische Einheit: Mit der Auslagerung der Friedhofsnutzung waren Umnutzungen und Umgestaltungen verbunden. Verbreitet sind heute die Anlage von Parkplätzen, die Abtragung der Begrenzungsmauern, die Anpflanzung von ortsuntypischem Bewuchs, die Veränderung und Verkleinerung der ehemaligen Kirchhofsgrundrisse. Die Bedeutung und Schönheit dieser Orte sind in den meisten ländlichen Siedlungen stark gefährdet.
Ziel der Arbeit des Arbeitskreises Dörfliche Kultur ist daher, neben der Erhaltung, Renovierung und kulturellen Nutzung verlassener Kirchen, Kirchhöfe als "Kirchgärten" umzugestalten, d.h., sie mit heilkundlichen, symbolischen und dorfökologisch wichtigen Pflanzen zu bepflanzen und sie damit gleichzeitig zu Nischen für bedrohte Tiere und Pflanzen, aber auch wieder zu kulturellen Dorfmittelpunkten werden zu lassen.


Kirchgarten Ausstellung

Unter den Wanderausstellungen des Arbeitskreises Dörfliche Kultur kann auch die Kirchgarten-Austellung ausgeliehen werden. Sie umfaßt etwa 60 Pappen (Fotos, Zeichnungen, Pläne, Texte), die nach verschiedenen Schwerpunkten unterteilt werden können z.B. nach Kirchgärten, Kloster-, Museum-, Burggärten, Kirchbäumen, Schmetterlingen, Umgang mit Kräutern u.ä., so dass der Umfang der Ausstellung dem jeweiligen Ausstellungsraum und Ausstellungsintersse angepasst werden kann.


Das Kirchgartenbuch "Gärten des Lebens"
(342 Seiten, 1994, 9,50 Euro)

Das Kirchgartenbuch ist eine Veröffentlichung des Arbeitskreises Dörfliche Kultur und stellt viele bereits eingerichtete Kirchgärten vor.
Sie enthält Pflanzenportraits, Rezepte, Exkurse zu Ernährung, Salbenküche usw. sowie Anregungen und Denkanstöße zur Auseinandersetzung mit Einzelbereichen des Themas wie z.B. zu Kirchenbäumen, Kirchenkräutern, Schmetterlingen.
Das Buch enthält viele Zeichnungen, Gartenpläne und Bilder sowie einen ausfürlichen Anhang mit Pflanzennamen, Heilpflanzenverwendung, Standortangaben.


Gestaltungskonzept

Das Wort "Kirchgarten" ist eine Begriffsschöpfung des ADK und meint ein bestimmtes Gestaltungskonzept von aufgelassenen Kirchhöfen,das möglichst viel vom alten Gartendenkmal "Friedhof" bewahrt:
Der Begriff "Kirchgarten" als denkmalpflegerische Gestaltung des Kirchhofes bezeichnet nicht die Nachgestaltung eines Klostergartens, sondern macht die besondere Form und Anlage des Gartendenkmals Kirchhof - aufgelassener Friedhof - bewußt.
Er ist in seiner genauen Bedeutung über ADK-Ausstellungen und Buchveröffentlichungen, z.B. "Gärten des Lebens - Kirchgärten" öffentlich bekannt geworden. Mit dieser praktischen und öffentlichkeitswirksamen Arbeit hat der AK Dörfliche Kultur angeregt, dass immer mehr "Kirchgärten" entstehen, und dadurch das Land mit einem Netz ökologischer Gärten als Gesamtkunstwerk überzogen werden könnte. Dafür erhielt der Verein 1987 den Umweltpreis der Ford-Foundation.


Langzeitpflege - Probleme

Der Augenschein zeigt bei verschiedenen Kirchgärten seit 1997 folgenden Pflegezustand:
Die Kirchgärten bei den verlassenen Kirchen Bellnhauen/Gladenbach und Bürgeln/Cölbe, die als erste nach dem Kirchgartenkonzept erarbeitet wurden, liegen seit 1995 brach. Der Eigentümer, der Förderkreis Alte Kirchen, ist nicht bereit, weitere Pflege zu dulden, leistet sie allerdings auch nicht selbst. Wir hoffen, dass die Bereitschaft dieses Vereins zu angemessener ehrenamtlichen Pflegehilfe wieder wächst.
Auch der Kirchgarten auf dem Großenlindener Kirchhof liegt brach, da die Kirchengemeinde dort bisher nicht zur Mitträgerschaft gewonnen werden konnte.
In gut gepflegtem Zustand zeigen sich die Kirchgärten in Geismar/Frankenberg, Wiesenfeld/Burgwald, Roda/Rosenthal, Vöhl/Frankenberg, Niederweimar/Weimar und Altenvers/Lohra.
Alle an dieser ökologisch-kulturellen Denkmalarbeit interessierten Leute bemühen sich um eine Unterstützung der ehrenamtlichen Kirchgartenpflege z.B. durch öffentliche Ausgleichsgelder (=Ersatz für umweltschädigende Maßnahmen) zur Einrichtung bezahlbarer Pflegestellen.

Alte Dorfkirchen bilden im Grundriss, Aufriss und der Fernwirkung eines Dorfs den historischen und sozialen Knotenpunkt der Dorfanlage.
Sie waren Ursprung ihrer Entwicklung und bilden bis heute in den meisten Orten das siedlungsstruktuelle Zentrum.
Das Kirchengebäude, der Kirchhof mit seinen Bäumen, die nach ihm ausgerichtete siedlungsgeschichtliche Entwicklung seiner Umgebung und die Entsprechung zur umgebenden Landschaft bilden zusammen ein besonderes Denkmalensemble, das in die kulturelle und soziale Überlieferung eingebunden ist.
Oft auf vorchristlichen heidnisch-kultischen Orten gelegen, haben Kirchhöfe in vielen Fällen eine besondere Form, manchmal die Rundform bei außerhalb des Dorfes liegenden alten Friedhöfen. Meist findet sich aber die Schiffchenform, die, wie das manchmal auch Gräber herbergende Kirchenschiff Zeichen für das Übersetzen vom diesseitigen zum jenseitigen Leben bedeutet.Deshalb ist nicht immer ein dem Klostergarten entlehntes Rechteckgärtchen dem Kirchhof angemessen. Nur manchmal legen örtliche Begründung die Rechteckform nahe.

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